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Der Uetliberg oder Üetliberg (ausgesprochen auf Zürichdeutsch: [ˈyə̯tliˌb̥ɛːrɡ̊]; literarisch auch Uto genannt[1]) ist der 870 m ü. M. hohe Hausberg von Zürich und ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Uetliberg

Der Uetliberg, von Zollikon aus gesehen

Höhe 870 m ü. M.
Lage Kanton Zürich, Schweiz
Gebirge Albiskette
Dominanz 6,98 km Langnauerberg
Schartenhöhe 142 m Mättli
Koordinaten 679461 / 244851
Uetliberg (Kanton Zürich)
Uetliberg (Kanton Zürich)
Gestein Nagelfluh

Als nördlicher Abschluss der Albis-Bergkette (915 m ü. M.) erhebt sich der Uetliberg über den Zürcher Quartieren Leimbach, Wiedikon, Albisrieden (mit Triemli) und Altstetten, auf der Südwestseite schliessen das Reppischtal mit Uitikon und Stallikon (mit Sellenbüren) an. Der Gipfel des Uetlibergs gehört zur Gemeinde Stallikon.


Geschichte


Der Uetliberg auf einer Altartafel von Hans Leu dem Älteren
Der Uetliberg auf einer Altartafel von Hans Leu dem Älteren

Auf dem Uetliberg bestand schon in der Bronzezeit eine Fluchtburg beziehungsweise in keltischer Zeit ein Oppidum. Es fand sich auch Keramik aus der Bronze- und der Römerzeit. Herausragender Einzelfund bleibt die winzige Scherbe einer schwarzfigurigen, aus Attika importierten Schale, die in die Zeit um 500 v. Chr. datiert werden kann. Sie zeigt den Ausschnitt eines Pferdekopfes.[2] Verschiedene archäologische Funde wie Wallanlagen und Fürstengrabhügel Sonnenbühl sind heute noch zu besichtigen. Ab 1644 war er Standort einer Hochwacht.

Der Uetliberg und der nahe Albiskamm waren im Mittelalter Standort von sechs Burgen, von denen heute nur noch Reste vorhanden sind: Uetliburg, Sellenbüren, Friesenberg, Baldern, Schnabelburg und Manegg.

1210 wurde die Uotelenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1267 zerstörten angeblich die Zürcher unter Rudolf von Habsburg im Zuge der Regensberger Fehde die Uetliburg, dies gilt jedoch nicht als historisch gesichert. 1750 bestieg der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock den Berg.

1812 wurde die Hochwacht Uetliberg aufgehoben.

Der Alt Uetliberg ist ein kleiner Bauernhof westlich unterhalb der ehemaligen Annaburg. Vor 400 Jahren urkundlich erwähnt und vermutlich viel älter ist die Bergheimet Zeuge alter Bauernkultur auf dem Uetliberg. 1984 wollte der Kanton Zürich die Gebäude abreissen lassen. Dagegen wehrte sich erfolgreich eine Petition.[3] Heute dienen die Gebäude als Pfadfinderheim.[4]

Eine hölzerne Skisprungschanze wurde 1954 südlich oberhalb des Bauernhauses Alt Uetliberg erstellt. In den 70er-Jahren wurde ein Schanzenrekord von 41,5 Meter erzielt. Wegen häufigem Schneemangel und nachlassendem Publikumsinteresse wurde die Schanze 1994 abgerissen.[5]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet des Uetlibergs und der Waldegg im Rahmen der ersten Armeestellung (Limmatstellung) mit über 100 verbunkerten Unterständen befestigt.


Gebäude



Bergrestaurant „Uto Kulm“


1815 eröffnete in der ehemaligen Hochwacht ein Gastwirtschaftsbetrieb. 1838 erwarb Friedlich Bluntschli das Gipfelgebiet von seinem Vetter Gerber Bluntschli; der Zürcher Architekt Johann Caspar Breitinger erbaute ihm das erste Kurhaus. Im Jahr 1840 eröffnete Friedrich Beyel das Gast- und Kurhaus Uetliberg. Am 8. März 1840 stürzte der Bergsteiger, Naturforscher und Zürcher Armensekretär Friedrich von Dürler nach dem Besuch des Gasthauses beim Abstieg zu Tode. Der Dürlerstein beim heutigen Bergrestaurant Uto Staffel erinnert an ihn. 1873 kaufte der Hotelier Caspar Fürst den Berggasthof.

Das bestehende Haus wurde vergrössert und nördlich davon ein Hotel errichtet. 1927 wurde das Hotel Uetliberg von der Stadt Zürich übernommen, der ETH-Zürich-Lehrwald wurde errichtet. Im Jahr 1935 erwarben die Brüder Niedermann, beide Grossmetzger in Zürich, das Berggasthaus, während das Hotel 1943 infolge Baufälligkeit abgebrochen wurde. 1973 gelangte das Berggasthaus in den Besitz der Generalunternehmung Karl Steiner. 1983 kaufte die Schweizerische Bankgesellschaft das Berggasthaus Uto Kulm.

1999 kaufte Giusep Fry das Berggasthaus mit Aussichtsturm. Er nahm in der Folge verschiedene Umbauten vor, die vom Bundesgericht als illegal erklärt wurden.[6] 2022 übergibt Fry die Leitung an seinen Sohn Fabian.[7]


Aussichtsturm


1894 entstand der erste Aussichtsturm. 1990 wurde der Aussichtsturm durch einen Neubau ersetzt, den Aussichtsturm Uetliberg.


Fernsehturm


Der Fernsehturm auf einer Flugaufnahme von 1990
Der Fernsehturm auf einer Flugaufnahme von 1990

1953 wurde der 75 Meter hohe Fernsehsendeturm erbaut, es fanden erste Versuchsausstrahlungen statt. 1968 ersetzte ein 132 Meter hoher Sendeturm den Turm aus dem Jahr 1953. Im Jahr 1968 wurde der Friedhof Eichbühl fertiggestellt, ein bedeutendes Werk Schweizerischer Landschaftsarchitektur. Die Bahngesellschaft Zürich-Uetliberg und die Sihltalbahn fusionierten zur SZU.


Verkehr



Uetlibergbahn


Uetlibergbahn um 1910
Uetlibergbahn um 1910

1872 wurde die Uetlibergbahn-Gesellschaft gegründet. Die Eröffnung der Strecke war 1875. Vom Bahnhof Selnau führte die Strecke mit 40 ‰ Steigung zur Endstation Uetliberg, knapp unter dem Gipfel. 1920 wurde die Uetlibergbahn stillgelegt und die Betriebsgesellschaft liquidiert. Zwei Jahre später nahm die neu gegründete Bahngesellschaft Zürich-Uetliberg den Bahnbetrieb wieder auf. 1923 erfolgte die Elektrifizierung der Bahnstrecke. Das Restaurant "Gmüetliberg" an der Endstation wurde 1967 durch die Bahngesellschaft übernommen. 1990 wurde die Strecke bis zum Hauptbahnhof Zürich verlängert.


Uetlibergtunnel


2009 wurde der Uetlibergtunnel als Teilstück der Autobahn A3 eröffnet.


Naherholungsgebiet



Erschliessung und Infrastruktur


Luftbild von Walter Mittelholzer (1932)
Luftbild von Walter Mittelholzer (1932)

Die touristische Erschliessung begann im 19. Jahrhundert mit der Uetlibergbahn (Eröffnung 1875) und dem Bau verschiedener Hotels und Gasthäuser auf dem Uetliberg und der Albiskette. Heute stehen auf dem Gipfel des Uetliberges das Traditionshotel Uto Kulm und der Aussichtsturm Uetliberg, der ganzjährig öffentlich zugänglich ist.

Erschlossen wird der autofreie Üetliberg durch die zum Zürcher S-Bahn-Netz gehörende Linie S10 der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn, die als steilste normalspurige Adhäsionsbahn Europas vom Hauptbahnhof bis zur Station Uetliberg zehn Gehminuten unterhalb des Gipfels führt. Von der Bahnstation aus führt der Planetenweg Uetliberg–Felsenegg zur Felsenegg, wo die Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg nach Adliswil hinunter führt.

Von der Stadt Zürich führen verschiedene Wanderwege in etwa einer Stunde zum Gipfel:

Im Winter ist der Uetliberg besonders beliebt, da sein Gipfel oft oberhalb der Zürcher Hochnebeldecke ist. Früher trugen bei solchen Inversionswetterlagen die Tramlinien, die zum Fuss des Uetlibergs fahren, die Tafel «Uetliberg hell». Im Winter werden einige der Wanderwege als Schlittelwege genutzt.

Swisscom Broadcast betreibt auf dem Uetliberg eine bedeutende Fernmeldeanlage (den Fernsehturm Uetliberg) für die Weiterverbreitung von Radio- und Fernsehprogrammen.

Der Uetliberg bietet – vor allem von dem auf dem Berggipfel gelegenen Aussichtsturm Uetliberg aus – Aussicht über die ganze Stadt und den Zürichsee. Die Fernsicht erstreckt sich bei guter Witterung im Norden bis zum Hohentwiel, vom Osten bis Süden in die Glarner, Bündner und Berner Alpen. Weitere Höhenzüge in Deutschland (Schwarzwald), Frankreich (Vogesen) und Österreich sind ebenfalls zu erkennen.


Klettergebiet


Nagelfluhklettern 1960er Jahre
Nagelfluhklettern 1960er Jahre

Die etwa 20 Meter hohen Konglomeratfelswände des Uetlibergs haben besondere Bedeutung für die Entwicklung des Schweizer Sportkletterns. 1978 wurde der Kletterclub Üetliberg KCÜ gegründet, eine informelle Vereinigung von Bergsteigern aus Zürich und Umgebung.

Mitglieder der anarcho-dadaistischen Vereinigung, deren einzige Statute darin bestand, dass jegliche Statuten aufgehoben gehören, waren junge Sport- und Spitzenkletterer, die an den Nagelfluhfelsen des Uetlibergs trainierten. Initiant war Bergführer Walter Müller von der Jugendorganisation der Sektion Uto des Schweizer Alpen-Clubs. Zu den Gründern, die sich darauf auch als Alpinisten und Pioniere des alpinen Sportkletterns einen Namen machten, gehörten Martin Scheel, Gabriel Huber, Thomas Müller und Roland Heer[8]. Sie waren einige der ersten Freikletterer der Schweiz. Um in den KCÜ aufgenommen zu werden, musste lediglich der 35 Meter hohe Turm auf dem Uetliberg free solo, also seilfrei, erklettert werden samt Überwindung des Schlussüberhangs auf die Plattform. Der Club entstand im Umfeld der Zürcher Jugendbewegung von 1980.[9][10] Der politische Aktivismus der KCÜ-Mitglieder spiegelt sich oft auch in den Namen ihrer Erstbegehungen wider, zum Beispiel der Route Metzerstrasse 58/61 im Jura. Das war die Adresse eines besetzten Hauses, in dem einige Mitglieder lebten. Im Laufe der Zeit löste sich der informelle KCÜ wieder auf.

Noch heute trainieren Kletterer auf dem Uetliberg.[11] Nach heutigen Massstäben hat der Uetliberg als Klettergebiet jedoch nur noch untergeordnete Bedeutung. Es gibt zwölf Routen in den Schwierigkeitsgraden zwischen 6a+ und 7a+.[12]


Mountainbike-Trails


Uetliberg Kulm, von Stallikon aus gesehen
Uetliberg Kulm, von Stallikon aus gesehen

Nachdem es zu starken Interessenkonflikten zwischen Wanderern und Bikern gekommen war, erarbeitete die Stadt Zürich ein Nutzungskonzept für den Uetliberg.[13] Im Frühsommer 2005 wurde der Biketrail Triemli eröffnet. Die Mountainbike-Strecke beginnt beim Fernsehturm und führt über eine Länge von 3,5 km und eine Höhendifferenz von 350 m zur SZU-Station Triemli.[14][15][16] Zudem gibt es den etwas kürzeren, südöstlich gelegenen Biketrail Höckler.[17] Gleichzeitig wurde der Velotransport durch die Bahn eingeschränkt. Insgesamt führte das Konzept zu einer deutlichen Verbesserung.[18]

Wenngleich sich der Biketrail Triemli grosser Beliebtheit erfreut, gibt es auch kritische Stimmen, die den losen steinigen Untergrund und eine unglückliche Linenwahl bemängeln. Ende 2010 wurde der Verein Züritrails gegründet. Ziel ist es, die Interessen der Mountainbiker zu vertreten und der Stadt Hilfe beim Unterhalt und der Konzeption bestehender und neuer Trails anzubieten.[19] Schnell kam es zu einer produktiven Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadt, so dass bereits im April 2011 Trail-Bautage stattfanden. Bei diesem ersten Event wurde der Biketrail Triemli ausgebessert und die Attraktivität durch neue Elemente und flüssigere Kurven für Anfänger sowie Profis erhöht.[20]

Aussicht vom Uetliberg aus

Schreibweise


Beide Schreibweisen Uetliberg und Üetliberg sind verbreitet und gebräuchlich. Offiziell ist gemäss Landeskarte und in amtlicher Vermessung Uetliberg.[21]

Vereinzelt ist in älteren Dokumenten auch die Schreibweise Hüetliberg anzutreffen.[22]


Literatur




Commons: Uetliberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Alexandra Kohler, David Bauer, Marvin Milatz, Webkid.io, Simon Wimmer, Beni Buess: Vom Seilergraben zur Streulistrasse In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. März 2016
  2. Christian Bader: Stallikon-Üetlberg, Uto-Kulm: Mittelalterliche Burg. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr. 17. Fotorotar AG, Zürich und Egg ZH 2004, ISBN 3-905681-08-0, S. 3738.
  3. Petition gegen den Abriss des Alt Uetliberg
  4. Pfadiheim Alt Uetliberg, Pfadi Glockenhof, Zürich
  5. Skischanze auf dem Uetliberg
  6. Jürg Rohrer: Die Wintergärten auf dem Uetliberg müssen definitiv weg. In: Tages-Anzeiger. 20. Juni 2014, abgerufen am 15. Mai 2016.
  7. Beat Metzler: Mein Vater war der Grösste für mich. In: TA online. TA-Media, 4. Mai 2022, abgerufen am 26. Mai 2022.
  8. Magazin Klettern 5/2008: Diese Wand ist besetzt. Interview mit Martin Scheel.
  9. Roland Heer: Das Klettern in Zeiten der Unruhe. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Oktober 2002.
  10. Die Phantasie wund klettern. In: Emil Zopfi: Dichter am Berg. AS Verlag, Zürich 2009.
  11. Klettertopos Üetliberg, abgerufen am 23. Februar 2011
  12. Das Klettergebiet in Stadtnähe, abgerufen am 23. Februar 2011
  13. 23. März 2007: Nutzungskonzept «Wandern und Velofahren am Uetliberg» wird weitergeführt (Memento vom 19. Oktober 2013 im Internet Archive), abgerufen am 22. November 2012
  14. Biken am Uetliberg
  15. Biken am Uetliberg (PDF) (Memento vom 9. November 2014 im Internet Archive)
  16. Karte Biketrail Triemli
  17. Karte Biketrail Höckler
  18. Untersuchung der ETH Zürich (Memento vom 26. September 2007 im Internet Archive)
  19. Züritrails - Mission (Memento vom 9. November 2014 im Internet Archive)
  20. Züritrails - Bericht Trailbautage (Memento vom 17. Oktober 2011 im Internet Archive)
  21. Zur Schreibweise
  22. Christoph Esslinger: Der Baugarten. Zürich 1842, S. 5. doi:10.3931/e-rara-77

На других языках


- [de] Uetliberg

[en] Uetliberg

The Uetliberg (also known as Üetliberg[4]) is a mountain in the Swiss plateau, part of the Albis chain, rising to 870 m (2,850 ft). The mountain offers a panoramic view of the entire city of Zürich (to the northeast of its summit) and the Lake of Zurich (to the east), and lies on the boundary between the city of Zürich and the municipalities of Stallikon and Uitikon. The summit, known as Uto Kulm, is in Stallikon.[5][1]

[fr] Uetliberg

L'Uetliberg ou Üetliberg (littéralement en allemand : montagne Utli) est un sommet de faible altitude (870 m) formant la limite de la ville de Zurich à l'ouest. Compris entre les rivières Sihl et Reppisch, avec un versant sur la commune de Zurich et l'autre versant, sud-ouest, sur les communes de Uitikon et de Stallikon, son plus haut point ne s'élève que de 415 mètres au-dessus du cours de la Limmat.

[ru] Утлиберг

Утлиберг (нем. Üetliberg /'ʏətlib̥ɛːrg̥/) — гора в Швейцарии в окрестностях Цюриха, высота 869 метров над уровнем моря. На горе располагается смотровая вышка, откуда открывается вид на город с высоты птичьего полета. На вышке имеется карта с описанием всех видимых в окрестностях гор[2].



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