Der Leubinger Hügel erhebt sich bei Leubingen, einem Ortsteil von Sömmerda (Thüringen), als monumentales Denkmal: ein Großhügelgrab der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur. Der Hügel enthielt als Zentralgrab das Fürstengrab von Leubingen sowie im oberen Bereich der bronzezeitlichen Hügelschüttung Nachbestattungen – 70 slawische Gräber aus der Zeit zwischen 700 und 1100.
Leubinger Hügel | ||
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![]() Der Leubinger Hügel enthielt das größte erhaltene frühbronzezeitliche Elitegrab der Aunjetitzer Kultur und ist eingebettet in ein über Jahrtausende entstandenes Gräberareal.[1] | ||
Höhe | 8,5 m | |
Lage | Leubingen in Thüringen, Deutschland | |
Koordinaten | 51° 11′ 25″ N, 11° 10′ 11″ O51.19027777777811.1697222222228.5 | |
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Typ | bronzezeitliche Hügelschüttung, Grabhügel der Aunjetitzer Kultur | |
Besonderheiten | Hügel enthielt Gräber der Frühbronzezeit (Elitegrabhügel) und des Frühmittelalters (slawische Nachbestattungen) |
Der Grabhügel hatte eine Höhe von ca. 8,5 m und einen Durchmesser von ca. 34 m, einen Umfang von 145 m und ein Bauvolumen von 3270 m³. Die hölzerne Grabkammer konnte dendrochronologisch auf 1942 ± 10 v. Chr. datiert werden.[2][3] Die kleine Unsicherheit der Datierung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Waldkante der Stämme nicht erhalten war und damit ihr exaktes Fälldatum nicht zu ermitteln ist.
Der Grabhügel wurde 1877 unter Leitung des Jenaer Universitätsprofessors Friedrich Klopfleisch ausgegraben. Zunächst wurden im oberen Bereich der bronzezeitlichen Hügelschüttung 70 slawische Gräber aus der Zeit zwischen 700 und 1100 freigelegt. Solche Nachbestattungen in älteren Hügelschüttungen sind nicht ungewöhnlich. Auf Bodenniveau stießen die Ausgräber auf eine unversehrte, zeltförmige Grabkammer aus Eichenholz, die wie die gesamte Bestattung in die Aunjetitzer Kultur datiert. Die Kammer war mit Schilf bedeckt, mit Kalkmörtel verfugt und mit Steinen abgedeckt. Die Steinabdeckung bestand aus weißem und rotem Sandstein, welcher aus Entfernungen bis zu 30 km herbeigeschafft wurde.
Nachbildungen der Grabkammer befinden sich im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar sowie in der Leubinger Heimatstube.
In der Nähe des Grabhügels wurden 2011 die Bodenreste (Verfärbungen der ehemaligen Wände) eines fürstlichen Langhauses entdeckt. Der Bau hatte eine Fläche von 462 m² und ist damit eines der größten der mitteldeutschen Urgeschichte. Keramikfunde machen die zeitliche Nähe zum Hügelgrab wahrscheinlich. Vor der Stirnseite des Langhauses wurde außerdem ein umfangreicher Hortfund von Bronzebeilen gemacht, der auf eine herausragende Stellung der Bewohner des Hauses schließen lässt.[4]
Die Grabkammer des Leubinger Hügels barg eine Doppelbestattung, wobei die Hauptbestattung – ein männlicher Erwachsener – eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein muss (etwa ein Stammeshäuptling oder Priester, Kriegsherr oder Metallurg). Die in den Grabbeigaben enthaltenen Werkzeuge könnten darauf hinweisen, dass Reichtum und Macht aus einer Kontrolle der regionalen Metallwirtschaft resultierten. Manche Forscher sehen im Grabhügel von Leubingen deshalb ein spätes Metallurgengrab. Allerdings fanden sich hier nicht die sonst dafür typischen Tondüsen (Mundstücke von Blasebälgen).
Quer über den Hüften des auf dem Rücken liegenden Toten wurde das Skelett eines etwa zehnjährigen Kindes gefunden. Da zum Zeitpunkt der Graböffnung keine anthropologische Untersuchung stattfand, ist ungeklärt, ob es sich um Totenfolge oder um ein gleichzeitig verstorbenes Kind handelt.
Die reichen Grabbeigaben – bestehend aus Goldschmuck (ein goldener Armring, zwei goldene Ösenkopfnadeln, ein goldenes Spiralröllchen, zwei goldene Noppenringe), bronzenen Waffen (eine Stabdolchklinge, drei Dolchklingen, zwei Randleistenbeile) und Werkzeugen (zwei Knickwandmeißel, zwei Randleistenmeißel, ein Schuhleistenkeil aus Serpentin, ein Wetzstein), einem großen Grabgefäß sowie weiteren Keramikbeigaben – und nicht zuletzt der gewaltige Aufwand für die gesamte Begräbnisstätte bezeugen die Bestattung eines Mächtigen aus der frühen Bronzezeit.
Der Fürstengrabhügel von Leubingen ist der bei weitem größte seiner Art. Ähnliche Grabhügel der Aunjetitzer Kultur existieren bei Helmsdorf (Gerbstedt) mit ebenfalls 34 m Durchmesser und bei Dieskau, weitere 13 sind im mitteldeutschen Raum luftbildarchäologisch nachweisbar. Bei Leki Male (Klein Lenka) in Polen, etwa 70 km südlich von Posen, existiert eine Gruppe mit elf Grabhügeln der Aunjetitzer Kultur[5].
Reste eines Grabens, der vermutlich zu einer jungsteinzeitlichen Grabanlage gehört, wurden während Bauarbeiten in der Nähe des Leubinger Hügels entdeckt. Diese Grabanlage, etwa 1.500 Jahre älter als der frühbronzezeitliche Fürstenhügel, stellt damit den ältesten nachgewiesenen Befund dar.[1]
Bereits während der Ausgrabungen 2009/2010 wurden im Umfeld des Fürstengrabhügels frühbronzezeitliche Siedlungsspuren sowie ein kleines Gräberfeld mit 25 Gräbern entdeckt. Die Archäologen gehen davon aus, dass die Siedler an der Errichtung des Großgrabhügels beteiligt waren.[6]
Südlich des Hügels, im Abstand von nur wenigen Metern, wurde während der Ausgrabungen seit 2016 ein etwa zwölf Meter durchmessender Rest eines abgetragenen zweiten Hügels entdeckt, dessen Bauweise das Grab in die mittlere Bronzezeit datiert.[1]
Die ursprüngliche Grabanlage des mittelbronzezeitlichen Grabhügels wurde in der Spätbronzezeit um 1.000 v. Chr. gestört. Sie wurde geöffnet, ausgeräumt und anschließend zwei spätbronzezeitliche Nachbestattungen eingebaut.[1]
An der südwestlichen Peripherie des Großgrabhügels wurde ein Gräberfeld mit acht Gräbern der späten Bronzezeit, teilweise mit umfangreichen steinernen Einbauten entdeckt.[1]
Im südwestlichen Vorfeld des Großgrabhügels wurde ein kleines kaiserzeitliches Brandgräberfeld entdeckt. Die Fibeln in den Brandgräbern datieren das Gräberfeld in die Zeit um Christi Geburt.[1]
Der obere Bereich der bronzezeitlichen Hügelschüttung enthielt Nachbestattungen aus der Karolingerzeit – 70 westslawische Gräber aus der Zeit zwischen 700 und 1100 n. Chr. Das Gräberfeld wurde bereits 1877 von Friedrich Klopfleisch entdeckt.[7]
Bei Dermsdorf im (Landkreis Sömmerda) fanden die Archäologen die Reste eines außergewöhnlich großen Langhauses aus der Frühbronzezeit. Das Gebäude stand auf einer flachen Anhöhe in Sichtweite des Großgrabhügels.[8] An einer der Giebelseiten der repräsentativen Halle wurde ein Bronzedepot mit 98 Bronzebeilen und zwei Stabdolchen geborgen.[9]
Eine bisher unbekannte Grabenanlage wurde im Sommer 2009 bei Luftaufnahmen entdeckt. Sie besteht aus einem zentralen Ring mit 55 m Durchmesser und einem 250 × 330 m messenden Umfassungsgräbchen. Die Anlage befindet sich in Sichtkontakt zum Leubinger Grabhügel, ihr Alter und ihre Funktion sind derzeit noch unbekannt. Durch geomagnetische Kartierungen konnte im äußeren Umfassungsring eine Torsituation lokalisiert werden, die in Richtung des Grabhügels weist.[10]